- Publiziren: 14.11.2025.
Über die Verleihung des renommierten Red Dot Design Award – Grand Prix „Best of the Best“ an den kroatischen Designer Stjepko Rošin in Berlin
Rošin erhielt die Auszeichnung für das Design des Gedichtbands seines Vaters, des Autors Jerko Rošin, der in einem dalmatinischen Inseldialekt verfasst ist um eben diesen Dialekt vor dem Aussterben zu bewahren.
Es handelt sich um eine leise, aber kraftvolle Gedichtsammlung „Triptih na Ce“, geschrieben im Dialekt des kleinen Inselortes Milna auf Brač.
Öffnet man dieses Buch in einem geschlossenen Raum, bleiben die Verse unsichtbar - vor einem erscheinen lediglich zufällige Buchstaben, die scheinbar sinnlose Wörter bilden. Doch sobald man das Buch ins Sonnenlicht bringt, beginnen nach und nach jene Buchstaben sichtbar zu werden, die zuvor fehlten. Auf diese Weise vermittelt das Buch eine symbolische Botschaft: Der Dialekt ist äußerst zerbrechlich und empfindlich - er droht zu verschwinden, wenn man ihn nicht pflegt und im täglichen Sprachgebrauch erhält. Dieses interaktive Erlebnis regt zum Nachdenken an und prägt die Sprache emotional ein.
Design muss nicht laut sein: Durch den Einsatz einer sensiblen Typografie und einer überraschenden Drucktechnik nutzt Rošin die Kraft des Mediums Print, um den Inhalt emotional zu transportieren.
„Ein klassischer Designansatz hätte das nicht erreicht - es ging nicht darum, den Dichter zu promoten oder meine Designfähigkeiten zu zeigen, sondern den Dialekt und das Medium Buch selbst zu schützen. Hier ist das Design Teil der Botschaft, denn die lichtempfindliche Tinte spielt eine Schlüsselrolle“, betont Stjepko Rošin.
In der Begründung der diesjährigen Jury heißt es:
„… Die Dynamik des Erscheinens und Verschwindens des Inhalts im Verhältnis zur Sonne kommuniziert die Immateriellheit des kulturellen Erbes, die Zerbrechlichkeit und die Abhängigkeit der Bewahrung eines jahrhundertealten Dialekts von der alltäglichen Kommunikation - an einem der statistisch sonnigsten Orte an der Adria …“
Ziel war es, auf die drohende Gefahr des Vergessens aufmerksam zu machen und das Buch als Hüter des immateriellen Kulturerbes zu präsentieren.
Neben den in Ortsdialekt verfassten Gedichten enthält das Buch auch Fotografien mehrerer Generationen von Bewohnern, die durch ihren Alltag und ihr Schaffen zur Formung und Erhaltung der Sprache beigetragen haben - mit den Buchstaben verwoben, als ob sie selbst Teil der Erzählung über die Zeit wären.
Alles in diesem Gedichtband ist vom Gefühl des Zeitflusses durchdrungen und wird zu einer Hommage an die Vergänglichkeit, an die Menschen und an die Sprache selbst.






