Am Donnerstag, dem
13. November 2025, fand anlässlich des
Gedenktages an die Opfer des kroatischen Heimatkrieges sowie des
Gedenktages an die Opfer von Vukovar und Škabrnja in der
Botschaft der Republik Kroatien in Berlin eine besondere Präsentation des autobiografischen Romans
260 DANA von
Marijan Gubina statt. In dem Buch beschreibt der Autor sein Kindheitstrauma: Als zehnjähriger Junge war er während des kroatischen Heimatkrieges
260 Tage in einem serbischen Lager gefangen. Nach dem Roman wurden sowohl ein Theaterstück inszeniert als auch ein Film gedreht, der derzeit in ganz Kroatien gezeigt wird.
Ziel der Veranstaltung war es, die Wahrheit über den Kroatischen Verteidigungskrieg zu verbreiten und eine
Kultur des Erinnerns zu fördern. Das Interesse an der vom Berliner Botschaftsteam traditionell organisierten Gedenkfeier war außergewöhnlich groß. Unter den zahlreichen Anwesenden befanden sich der Apostolische Nuntius und Doyen des Diplomatischen Corps in Berlin,
Dr. Nikola Eterović, der Staatssekretär im kroatischen Wirtschaftsministerium
Goran Romek mit Mitarbeiterinnen, der Leiter der Kroatischen Katholischen Mission in Berlin
Pater Zvonko Tolić, Vertreter lokaler Medien sowie zahlreiche Mitglieder und Repräsentanten kroatischer Vereine und der kroatischen Diaspora.
In seiner einleitenden Ansprache begrüßte Botschafter
Gordan Bakota den Gast aus der Heimat und dankte ihm für sein Kommen - insbesondere jetzt, da in Kroatien gerade der gleichnamige Film von
Jakov Sedlar Premiere hat. Er zeigte sich erfreut über die große Beteiligung an der Feier eines für die Republik Kroatien äußerst wichtigen Gedenktages. Er betonte, dass die
Kultur des Vergessens die
Kultur des Erinnerns nicht verdrängen dürfe, und hob die Bedeutung des
Verzeihens hervor. Dabei zitierte er die Worte von
Dr. Franjo Tuđman, der 1997 in Vukovar sagte:
„Ein Sieger, der nicht vergeben kann, sät den Samen neuer Spaltung und künftigen Übels, und das kroatische Volk will das nicht.“
Es folgte die Vorstellung des Autors.
Sonja Breljak, Journalistin und Redakteurin des „Hrvatski Glas Berlin“ sowie Moderatorin der Veranstaltung, sprach über seinen Lebensweg, die Umstände, die zur Entstehung des Buches führten, seine Gefangenschaft und seinen persönlichen Weg der Heilung. Der Journalist und Schriftsteller
Adrian S. Kostré ging auf die literarischen Aspekte des Werkes ein, während die Historikerin
Tamara Janković, Koordinatorin des Kroatischen Unterrichts in Berlin, über Kinder als Kriegsopfer referierte. Anschließend wurden ausgewählte Auszüge aus dem Roman vorgelesen, die die erschütterndsten und wichtigsten Momente aus der Erfahrung des Autors schildern. An diesem Teil des Programms wirkte auch
Lovro Nimac, ein Schüler des Kroatischen Unterrichts, mit.
Der Autor selbst,
Marijan Gubina, sprach anschließend zu den Anwesenden über sein Zeugnis, in dem er trotz aller Traumata eine Botschaft des
Friedens, der
inneren Stärke und des
Vergebens entwickelt hat. Er betonte, dass Vergebung seine bewusste Entscheidung sei, keinesfalls ein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke, und dass er die Menschen dazu ermutigen wolle, durch Vergebung Frieden zu schaffen und den Kreislauf des Hasses zu durchbrechen. Er hob hervor, dass er weder als Kind im Lager noch später als Erwachsener zerbrochen sei, sondern sein Leid in einen Antrieb verwandelt habe,
Friedensstifter zu werden.
Auf Wunsch des Gastes aus der Heimat richtete auch
Erzbischof Nikola Eterović einige Worte an die Anwesenden. Er zeigte sich erfreut, dass der ganze Abend im Zeichen der Vergebung stand, und erinnerte daran, dass eine der zentralen Botschaften der Predigt von
Papst Johannes Paul II. während seines ersten Besuchs in Zagreb im Jahr 1994 gewesen sei:
„Wir vergeben, vergebt auch ihr uns.“
Die Feier wurde von einem passenden musikalischen Programm begleitet, in dem die
Klapa Poverello, die Sopranistin
Evelin Novak und der Cellist
Roko Silić auftraten.
Der emotional bewegende Abend endete mit einem gemütlichen Beisammensein von Autor, Gästen und Gastgebern.